Warum „Bonhoeffer on the Beach“? Christian Polke im Interview

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Bald findet das Theologieseminar zum Thema Bonhoeffer on the Beach statt. Junge Menschen ab 16 Jahren können sich hier mit theologischen Fragen auseinandersetzen … und das Ganze am Strand! Sie lernen das Leben und Denken Dietrich Bonhoeffers näher kennen, der heute am 9. April vor 70 Jahren im Konzentrationslager Flossenbürg von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Wir haben mit Dr. Christian Polke von der Universität Hamburg gesprochen. Er wird zusammen mit Pfarrerin Dagmar Kelle und Pfarrer Olaf Trenn die Veranstaltung leiten.

Christian Polke im Interview

Dr. Christian Polke
Dr. Christian Polke

 

Warum ein Seminar für Interessierte ab 16 Jahren zu Dietrich Bonhoeffer „on the Beach“? Warum „on the Beach“?

Warum nicht! Was andere können, kann Kirche auch. Warum Bonhoeffer? Weil er insbesondere
auf junge Menschen eine Faszination ausübt und das finde ich spannend.

Was macht Dietrich Bonhoeffer so besonders?

Da ist zum einen diese beeindruckende Familie: Ärzte, Juristen, Freigeister, starke Frauen und eben dieser junge, hoch
intelligente junge Theologe. Dann ist da dieser Vikar Bonhoeffer, der vor allem die Jugendarbeit liebte, sportbegeistert war, und trotzdem ein Mann von Welt, der früh über den eigenen Tellerrand hinausgeschaut hat. Er war in England, Spanien und sogar zwei Mal in den USA. Und schließlich ist da dieser Mann, der aus seinem Glauben den Mut besessen hat, nicht mit der Mehrheit zu schwimmen, sondern für die Verfolgten und an den Rand Gedrängten sich einzusetzen und dafür sogar den Tod zu riskieren.

Welche Botschaft hat Dietrich Bonhoeffer für junge Menschen heute?

Puh…schwierig. Ich glaube, jeder der sich mit Bonhoeffer beschäftigt, erhält da seine ganz eigene Antwort. Das finde ich so toll.
Aber ich will mal sagen: Für mich war entscheidend, dass Bonhoeffer mir gezeigt hat, dass das echt zusammengeht: ernsthaft versuchen zu glauben, sich gemeinsam für das Gute zu engagieren, und beides mitten im Leben stehend: also einfach auch Spaß zu haben an Sport und Musik, Freunden und der Liebe. Manchmal denke ich mir nämlich auch mit Blick auf mich selbst: sei mal etwas cooler. Das muss nicht gegen die ernsten Dinge, die du da machst, sprechen.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

(Lacht) Immer noch: Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Aber ich hoffe das ändert sich nach der Habilitation mal.

Worum geht es in Deinem Beruf?

Um Nachdenken über Gott und die Welt, sprichwörtlich, und das im Gespräch mit Studierenden und mit anderen Dozenten.
Aber man muss auch Prüfungen durchführen und natürlich viel Zeit am Schreibtisch verbringen, um selbst sich Gedanken zu machen und die zu Papier zu bringen. Denn auch Theologen sind Forscher, schreiben Bücher und halten Vorträge.

Was ist das Coolste an Deinem Beruf?

Dass man, selbst wenn man schon etwas älter ist oder geworden ist, immer mit der jungen kreativen Generation
zu tun hat, die einen fordern und die einem helfen, neugierig zu bleiben.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Nun nach dem Abitur habe ich Theologie studiert, daneben mich auch in Jura und Philosophie umgetan.
Das ganze in Heidelberg, Tübingen und – achja – im so schönen spannenden Berlin. Das ist auch schon wieder 12 Jahre her. Ich denke gerne dran zurück. Nach dem Examen habe ich eine Stelle in Heidelberg bekommen. Dort gelehrt und meinen Doktor gemacht. Danach ging es nach Hamburg, auch eine ganz tolle Stadt, wo ich heute noch lebe und an der Universität arbeite. Zwischenzeitlich war ich ein Jahr in Schweden als Gastdozent und Forscher.

Wie lauten die drei Ratschläge an Dein 17-jähriges Ich?

Ohje…. bin ich denn schon so alt. 😉 Nun gut: Offen sein für Neues; Mut, den eigenen Weg zu gehen; sich die Vorfreude bewahren, denn die Zeit des Studiums ist vielleicht die schönste Zeit im Leben, weil man – auch jenseits der Universität – so viel experimentieren und die herrliche Luft der Freiheit genießen kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Christian Polke!

Deine Einladung!
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