Theologiestudium – Man wird einfach anders.

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Wie ist eigentlich das Theologiestudium? Wie erlebt man es als Student? Ist es wirklich so schwer? Macht das Studium Spaß oder muss man 24 Std. durchlernen? Um einige von diesen Fragen zu beantworten, haben wir ein Interview mit Theologiestudent David Frank geführt.

David ist Student, (stand Modell für unsere Homepage ;-)) und absolviert zur Zeit sein Grundstudium an der Berliner Fakultät:

Herr Frank - das Studium ist mehr als Kaffee trinken :)
Herr Frank – das Studium ist mehr als Kaffee trinken 🙂

Was ist das Coolste am Theologiestudium?

Das Coolste am Theologiestudium ist für mich, dass die Lernkurve unwahrscheinlich hoch ist. Schon in den ersten Semestern hat man einen Wissenszuwachs, den ich bei Freunden anderer Studiengänge nicht beobachten kann. Man versteht innerhalb kurzer Zeit, an was man da 20 Jahre seines Lebens geglaubt hat. Die Erkenntnisse, die aus den Glaubensbrocken der Jugendzeit ein ganzen Bild machen, sind unheimlich bereichernd, auch für den Alltag. Vieles, was man im Studium lernt, ist deshalb auch so praxisnah, weil sich durch ein neues Verständnis des Glaubens eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Lebens ergibt. Ich kenne kein vergleichbares Studium, das binnen so kurzer Zeit die Selbst- und Weltwahrnehmung so stark beeinflusst, wie das der Theologie. Eben deshalb ist dieses Studium auch psychologisch so wertvoll. Oder, wie mein Urgroßvater, der auch Pfarrer war, gesagt hat: „Man wird während des Studiums einfach ganz anders.“

 

Wie sieht Ihr Tag als Theologiestudent aus?

Da ich mich im Grundstudium befinde, beginnt mein Tag früh. Bei Latein und Griechisch um 6:30 Uhr aufstehen, bei Hebräisch „erst“ um 8:30 Uhr. Danach wird sich fertig gemacht und es geht ab zur Uni. Die Fakultät liegt recht zentral, sodass man vom U-Bahnhof Weinmeisterstraße ganz entspannt laufen kann. In der Fakultät angekommen, sitzen meistens schon Kommilitonen, die man kennt, unten im Foyer. Kurz noch die wichtigsten Ereignisse von gestern Abend besprochen, Witz gerissen – auf geht’s in den Seminarraum. Da ist es eigentlich wie in jedem Seminarraum. Nur moderner und kuscheliger. Technisch ist die Fakultät so ziemlich auf dem neusten Stand, und die Gruppe ist überschaubar. Keine kalten, großen Säle, und keine ungemütlichen harten Holzbänke. Das macht das Studium weniger zu einem schulähnlichen Unterfangen, sondern mehr zu einem Treffpunkt mit Bildungsangebot – und das Studieren persönlicher. So hangelt man sich von Seminar zu Vorlesung zu Seminar. Dann geht’s noch fix rüber zur 300 Meter entfernten Mensa, um etwas zu essen. Wenn ich Glück habe, ist mein Tag schon um 14 Uhr vorbei. Dann nur noch nach Hause, abends noch ein bisschen Griechisch gemacht, und der Pflichtteil ist erfüllt.

 

Worum geht es in dem Studium?

Auch wenn man sich als Theologiestudent immer ein bisschen überheblich anhört, wenn man das einfach so in den Raum stellt: Aber ich bin überzeugt, im Theologiestudium geht es um alles. Und zwar auf zweierlei Weise. Zum einen ist das Studium sehr inhaltsreich. Das macht die Sache nicht wirklich einfacher. Wir lernen binnen kurzer Zeit Dinge, die sich Menschen über Jahrzehnte erarbeitet haben. Das Theologiestudium würde ich niemandem empfehlen, der sich nicht von sich aus für Gott und speziell den Gott der Christen interessiert. Die Arbeitsfelder in diesem Studium sind fast allumfassend. Zum anderen geht es im Theologiestudium um alles, weil wir uns mit den großen Fragen der Menschheit und des Lebens beschäftigen. Es verändert einen innerlich, und damit auch, wie man nach außen ist. Und zwar so sehr, dass Freunde und Bekannte das positiv mitbekommen. Das ist oft schwierig, aber es ist ein Reichtum, aus dem man sein ganzes Leben Schöpfen kann.

 

Wie sieht Ihr bisheriger Werdegang aus?

Als gebürtiger Greifswalder bin ich nach dem Abitur 2013 nach Berlin gekommen. Mir war ab der 10. Klasse klar – Theologie soll es werden. Das „Theologen-Gen“ liegt seit Generationen bei uns in der Familie und ist augenscheinlich nicht totzukriegen. Ich bin von Haus aus in christlicher Erziehung aufgewachsen, habe Christenlehre und Konfirmation durchlaufen. So hat mich das Thema zwar mal mehr, mal weniger Interessiert, aber nie ganz losgelassen. Mein Berufswunsch ist Pfarrer. Ich bin mittlerweile soweit, dass ich weiß, dass ich nichts anderes als diesen Beruf ausüben möchte. Ich habe also gleich nach dem Abitur angefangen zu studieren und bin jetzt im 4. Semester. Latein hatte ich schon in der Schule. Übrigens etwas, womit man unter den Kommilitonen echt angeben kann! Außerhalb des Studiums bin ich in mehreren Kirchgemeinden aktiv. In meiner Gemeinde Kreuzberg-Mitte arbeite ich ehrenamtlich regelmäßig in Gottesdiensten mit. In Friedrichshain sind der Pfarrer und ich gerade dabei, einen regelmäßigen Jugendgottesdienst aufzubauen, der hoffentlich gut ankommt.

 

Ginge es auch ohne Ihren Werdegang?

Die letzten 20 Jahre meines Lebens haben mich zu dem gemach,t was ich heute bin. Erziehung spielt immer eine sehr große Rolle. Ob ich sagen könnte, dass ich an Gott glauben würde, wenn ich in einem anderen Umfeld aufgewachsen wäre? Wahrscheinlich nicht. Würde ich Theologie studieren, wenn ich mir nicht schon früh Gedanken gemacht hätte, was um mich herum passiert? Wer weiß? Aber Ähnliches könnte ich auch vom Abitur sagen, oder von meinem Kleidungsstil.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Ein spezielles Lebensmotto habe ich eigentlich nicht. Es gibt immer wieder Stellen aus der Heiligen Schrift sowie auch aus Büchern aus der Welt der Religion, die mich sehr beeindrucken. Dazu gehören Zitate wie:

„Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch.“ (hl. Augustinus)

Jeden Tag entdecke ich kurze und prägnante Sätze, die mir eine Gänsehaut machen. Die Bibel ist bis zum Rand voll damit, und man spürt auch in den Aussprüchen der Menschen, die an das geglaubt haben, was in ihr steht, wie die gute Botschaft – das Euangelion – in ihnen ihre Spuren hinterlassen hat. Oft berühren mich diese Sätze so, dass sie für mich wie ein Lebensmotto werden, weil sie mir aus dem Herzen sprechen und verborgene Ideale in Worte fassen. Aber dazu gehören nicht nur Zitate von religiösen Menschen, oft sind es auch Politiker oder Philosophen, die beeindrucken.

 

Wie lauten die drei Ratschläge an Ihr 17-jähriges Ich?

  1. Wertschätze deine Haare!
  2. Sei barmherziger!
  3. Sitz weniger am Internet!

 

Vielen Dank für das Interview, David Frank!

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