Seelsorge als Muttersprache der Kirche

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Seelsorge als Muttersprache der Kirche – wie kann das in der Arbeit als Pfarrer_in oder Diakon_in umsetzt werden?

Dafür haben wir Martin Struwe, Diakon bei der Deutschen Seemansmission in Cuxhaven befragt.

Martin Struwe - Seemannsdiakon
Martin Struwe – Seemannsdiakon

 

1. Sie arbeiten bei der Deutschen Seemannsmission in Cuxhaven. Spielt Seelsorge da überhaupt eine Rolle? 

Seelsorge ist unser Auftrag – unsere Mission!
Als Gast in dem sehr geschlossenen „System Schiff“ bin ich für viele die Chance vertraulich über Dinge zu sprechen, die einzelne beschäftigen und die sie nicht mit Kollegen besprechen möchten. Und die Tatsache, dass ich nach meinem Besuch wieder von Bord gehe stellt nicht nur bildlich sicher, dass das angesprochene Thema wieder von Bord ist und nicht womöglich unter den Kollegen die Runde macht.
Tatsächlich beginnt Seelsorge für mich aber noch viel früher und praktischer. Schon der Verkauf einer günstigen Telefonkarte zählt für mich dazu. Denn diese ermöglicht dem Seemann/ der Seefrau den Kontakt zu Familie und Freunden. Dies kann der Seele des einzelnen viel besser tun als das seelsorgerische Gespräch mit mir oder Kollegen.

2. „Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche“ – wie sehen Sie das? 

Dem kann ich voll zustimmen. Wenn Seelsorge die Zuwendung zu meinem Nächsten bedeutet, dann handelt es sich dabei nach meinem Verständnis um das wesentliche Merkmal unseres christlichen Glaubens und somit auch unserer Kirche. Das wirkliche Interesse an meinem Gegenüber ist die Grundlage für unsere Glaubwürdigkeit. Ist diese nicht vorhanden wäre das Christsein und damit auch die Kirche hohl. Die Erfahrung echter Zuwendung und Annahme ist es, was Kirche glaubhaft und überzeugend macht.

3. Welcher Bibelvers hilft Ihnen bei der Arbeit? 

„Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben viele ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Hebräer 13,2
Und dazu ergänzend der Ratschlag eines Möches aus dem 5.Jh: „Wenn ein fremder Bruder sich bei dir einstellt, begrüße ihn mit froher Miene, umarme ihn und nimm ihm freudig das Bündel, das er trägt, mit eigner Hand ab. Beim Abschied behandle ihn wieder entsprechend. Deine Begrüßung geschehe mit Herzlichkeit und Gottesfurcht, ohne dass er sich brüskiert fühlt. Hüte dich davor, ihm überflüssige Fragen zu stellen, und lade ihn zum Gebet ein. Nachher, wenn er sich niedergesetzt hat, erkundige dich, wie es ihm gehe, mehr nicht…“

Herzlichen Dank für das Interview! 

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