Interview mit Dr. Tanja Pilger-Janßen

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Foto: Dr. Tanja Pilger-Janßen zu Studium und Examen: „Sich der Situation zu stellen, eigene Schwächen anzugehen – ob inhaltliche oder persönliche“
„Sich der Situation zu stellen, eigene Schwächen anzugehen – ob inhaltliche oder persönliche“ Interview mit Dr. Tanja Pilger-Janßen

Mit uns spricht Dr. Tanja Pilger-Janßen über ihr Studium, ihre wissenschaftliche Zeit und über Strategien, mit dem Examen fertig zu werden.

Tanja Pilger-Janßen, geboren in Heidelberg und aufgewachsen in Moers am Niederrhein, studierte Ev. Theologie in Münster (Westfalen) und Berlin sowie Jüdische Studien in Jerusalem. Nach ihrer Promotion im Fach Altes Testament in Göttingen war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Altes Testament an der Theologischen Fakultät sowie am Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Nach ihrem Vikariat in der EKBO beginnt sie nun eine neue Stelle im Medienhaus der EKBO, das seinen Sitz im Konsistorium hat.

Frau Dr. Pilger-Janßen, erzählen Sie doch ein wenig zu Ihrer Person. Sie haben Theologie studiert, warum?

Zu meinem Theologiestudium haben mich mehrere Erfahrungen in meiner Jugendzeit motiviert: Ich habe seit meiner Konfirmation ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit meiner Kirchengemeinde, das heißt im Kindergottesdienst, in einer Kindergruppe, bei einem Jugendtreff und bei verschiedenen Freizeiten für Kinder und Jugendliche, mitgearbeitet. Diese Tätigkeiten haben mir sehr viel Freude bereitet. Darüber hinaus hat mein Religionsunterricht in der Oberstufe mich sehr zum Nachdenken angeregt, weshalb ich mich mit dem Fach Theologie näher auseinandersetzen wollte. Zudem haben mein fünfmonatiger Aufenthalt in den USA mit dem regelmäßigen Besuch einer evangelischen „Mega-Church“ während der 11. Klasse sowie eine Reise nach Israel mit der damit verbundenen Beschäftigung mit der jüdischen Religion meinen Wunsch bestärkt, mich mit der christlichen Religion vertieft zu beschäftigen. So verwundert es nicht, dass ich dann auch im Rahmen des Studienprogramms „Studium in Israel“ für ein Jahr Jüdische Studien an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert habe.

Nach dem Studium haben Sie promoviert und an der Humboldt-Universität wissenschaftlich gearbeitet. Wie kam es dazu und wo geht Ihr Weg nun hin?

Im Anschluss an mein Studium und vor Ausübung des kirchlichen Dienstes wollte ich gerne ein theologisches Themenfeld in einer Promotion erforschen, da ich mich gerne mit theologischen Fragen auseinandersetze und nach Argumentationen und Lösungen suche. Die hebräischen Texte unserer Bibel haben mich schon früh fasziniert, da sie sowohl in der christlichen wie in der jüdischen Religion bedeutend sind und rezipiert werden. Ich hatte das Glück, Stipendiatin eines Graduiertenkollegs zu sein, was mir ein sehr gutes akademisches Umfeld für meine Arbeit über Gottesbilder im Hiobbuch, speziell in den Elihureden in Hiob 32–37, bot.

Die Anstellung an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität bot mir die Möglichkeit, am Institut Kirche und Judentum meine Interessen und Fähigkeiten im Bereich der christlich-jüdischen Studien sowie meine alttestamentlichen Kenntnisse am Seminar für Altes Testament einfließen zu lassen. Sehr gerne habe ich unterrichtet, Veranstaltungen koordiniert und organisiert und bei Publikationen mitgewirkt.

Da mich die Verbindung von theologischer Reflexion und kirchlicher Praxis, von Theorie und Erfahrung, von überlegtem Gestalten und kirchlichem Handeln interessiert, war 2014 die Zeit gekommen, den kirchlichen Vorbereitungsdienst anzutreten. Während des Vikariats habe ich den Pfarrberuf als genuin theologischen Beruf erlebt, bei dem bibelwissenschaftliche Kenntnisse und Hermeneutik, systematisch-theologische Reflexion, Gegenwartsdeutung vor dem Hintergrund der christlichen Religion und der evangelischen Tradition, Repräsentation und Symbolisierung der christlichen Religion und Sensibilisierung für gesellschaftliche und religiöse Fragen miteinander verbunden sind.

Mir ist es ein Anliegen, theologische Fragen situations- und anlassbezogen in die kirchliche Arbeit einzubeziehen und wissenschaftliche Theologie und kirchliche Handlungsfelder miteinander zu verbinden.

 

Erzählen Sie doch etwas zu Ihrer neuen Stelle, die Sie im Januar 2017 begonnen haben. Gibt es Dinge, die Sie befürchten? Dinge, die Sie erhoffen?

 

Ich habe meine Pfarrstelle im Januar im Medienhaus unserer Landeskirche angetreten. Zum Medienhaus gehören der Rundfunkdienst, die Wochenzeitung „die Kirche“, der Wichern-Verlag, das Info-Telefon, die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche, der Internetauftritt sowie die Bereiche Statistik und Fundraising. Zu Beginn meiner Stelle arbeite ich mich in die einzelnen Bereiche ein. Es macht mir im Moment große Freude, durch die Mitarbeitenden eingeführt zu werden und erste Einblicke bei der Kirchenzeitung zu erhalten. In den Dienstrunden konnte ich schon sehen, wie sehr die Arbeitsfelder in den medialen Bereichen der EKBO zusammengewachsen sind und wie gut zusammen gearbeitet wird. Wenn ich alle Bereiche kennen gelernt haben werde, werden wir entscheiden, welche Projekte ich verantworten werde.
Grundsätzlich geht es darum, dem Medienhaus theologisches Profil zu geben, gemeindliche Erfahrungen und theologische Themen einzubringen, Medienkompetenzen zu erwerben und kirchliche Themen in den Medien zur Darstellung zu bringen. Ich freue mich darauf gemeinsam im Team im Medienhaus etwas gestalten und bewegen zu können.

 

Unser Thema des Monats ist „Examen“. Müssen wir Studierende Angst haben? Würden Sie in der Herangehensweise an das Examen im Rückblick nun etwas anders machen?

 

Nein, von Angst möchte ich beim Examen nicht sprechen. Meines Erachtens ist es sinnvoll, kontinuierlich und mit Interesse zu studieren, d.h. gemäß den eigenen Interessen Schwerpunkte zu bilden. Zugleich ist es wichtig, examensrelevante Themen bei der Wahl von Vorlesungen im Blick zu haben, schon während des Studiums. Auf das Examen habe ich mich erst am Ende des Studiums gezielt vorbereitet. Wichtig war hier zu bündeln, Grundwissen parat zu haben, die großen Linien – auch über die Fächergrenzen hinaus – zu sehen.

„Ein theologisches Examen ist eine intensive Zeit, und sie lohnt sich.“ –

Genauso wichtig ist, nicht unzählige Seiten von Exzerpten zu schreiben, für deren Lektüre man dann gar nicht mehr die Zeit hat. Gute Repetitorien, die die Prüfungssituation im Blick haben, d.h. Klausuren und mündliche Prüfungen, sind sehr hilfreich. Sich der Situation zu stellen, eigene Schwächen anzugehen – ob inhaltliche oder persönliche – scheint mir ebenfalls ratsam. Gerade in der Phase der Examensvorbereitung hilft es sehr, die eigene Zeit zu strukturieren, sich zu organisieren und vor allem Pausen zu setzen und freie Tage zu gestalten. Ich erinnere noch, dass ich während der schriftlichen Hausarbeit für das Examen anfangs viel exzerpiert habe und kurz überlegte, das Wochenende weiterzumachen. Da habe ich mir sonntags einen freien Tag gegönnt und einen Ausflug gemacht. Was ich im Einzelnen in der Woche gelesen habe, weiß ich heute nicht mehr, aber an meinen freien Tag bei schönem Wetter an der Havel erinnere ich mich heute noch sehr gut. Solche Auszeiten braucht man, auch im Examen. Ein Theologisches Examen ist eine intensive Zeit und sie lohnt sich: denn theologisches Können und Reflektieren sind immer wieder vonnöten in kirchlicher Praxis.

 

Danke für das Interview. Wir wünschen Ihnen viel Freude und Segen in Ihrer neuen Dienststelle.

/hcb