Interview mit Ellen Radtke

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Hey Ellen, du bist Pfarrerin im brandenburgischen Golzow, hast in Berlin studiert und in der EKBO auch dein Examen gemacht. Zurzeit bist du auch eines der Gesichter der EKD Nachwuchskampagne. Was bedeutet dir der Nachwuchs für das Pfarramt und warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine EKD-weite Kampagne?

 

Der Nachwuchs wird unsere Zukunft bestimmen, wer heute ins Theologiestudium einsteigt, bestimmt in ein paar Jahren und Jahrzehnten, was aus unserer Kirche wird, also von daher bedeutet mir der Nachwuchs unglaublich viel. Ich glaube, dass einige Menschen, die es sich vielleicht vorstellen könnten, Theologie zu studieren, sich von bestimmten Bildern von Kirche abschrecken lassen, ich hatte ja selber so viele Klischees im Kopf, als ich angefangen habe zu studieren ohne vorher in einer Gemeinde aktiv gewesen zu sein. Mit dieser Kampagne kann Kirche zeigen, dass der Pfarrberuf viele Facetten hat und immer mindestens 50 mehr, als die Klischees hergeben.

 

Wie kamst du zur Kampagne? Hat einfach jemand angerufen und dich gefragt?

 

Eines Tages, ich war gerade im Urlaub, da kam eine Mail meines Ausbildungsreferenten, ob ich nicht ein Foto und einen Text zu und von mir einreichen möchte, weil es da so die Idee einer Kampagne mit einer Werbeagentur und so gäbe. Da wusste ich noch nicht so recht, was das wird, fand die Idee aber spannend. Also schickte ich Foto und Text ab und vergaß es dann schon fast wieder, bis ich dann viele Wochen später eine Mail von der EKD erhielt. Und ehe ich mich dann versah, stand ich in Berlin in einem Fotostudio.

 

Innerhalb deines Studiums bist du viel herumgekommen und hast verschiedene Landeskirchen kennengelernt.

Gibt es etwas, das die EKBO als Landeskirche besonders macht?

 

Diese unglaubliche Spannung zwischen der Weltmetropole Berlin und der Weite des Brandenburger Landes und die Verbindung von Ost und West. Ich denke, es gibt vieles, was die EKBO spannend macht, aber nichts, was den Alltag so prägt wie dieses. Ich habe mein Vikariat in einer der größten Gemeinden in Berlin gemacht und bin jetzt Pfarrerin von sieben kleinen brandenburgischen Dörfern und weiß eines genau: Was auch kommt, es wird in meinem Beruf niemals so sein wie im Jahr davor.

 

Und was würdest du Menschen zu Beginn des Studiums besonders ans Herz legen?

 

Das Studium wird schwer, die Sprachprüfungen können einem den letzten Nerv rauben, es wird Professor_innen geben, die man nicht ausstehen kann, es wird Stunden in der Bibliothek geben, in denen Ihr darüber schimpft, das Studium überhaupt begonnen zu haben und am Ende wartet das Examen, zu dem euch ältere Kommiliton_innen sicher viele Horrorgeschichten erzählen können. Aber einiges wird dann oft vergessen: Die Stunden, in denen man herrlich streitet, weil das, was man da studiert nicht nur ein Fach ist, sondern allen wirklich am Herzen liegt. Die Momente, in denen man schon ahnt, dass der Mensch in der Vorlesung neben einem einmal mit Konfirmand_innen über diese eine Stunde im Leben Martin Luthers arbeiten wird. Die Momente, in denen der Stoff auf einmal nicht nur in den Kopf, sondern ins Herz geht. Ich glaube, ich würde allen einfach sagen wollen: Das, was du an der Uni treibst, wird dich zur Pfarrer_in machen. Hab nur Geduld mit dem Studium und mit dir, denn auch, wenn es dir manchmal nicht so vorkommt, jede Stunde lohnt sich.
Vielen Dank für deine Zeit.

2 Antworten

  1. Gerald Frisch

    Ich habe Fr. Rathe bei einer Besetzung sowie bei einer Taufe erlebt, sie ist sehr Einfühlsam und macht ihre Sache sehr gut. Schade das Sie nicht mehr in unserer Gemeinde vor Ort ist. Sollte Sie mal in die Gegend zurück kommen gebe ich beiden gern Quartier. https://m.facebook.com/zuhause.zimmerfrei
    Liebe Grüße
    Gerald

    • Lieber Herr Frisch,
      vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung! Für ihre ausgeschriebene Pfarrstelle wünsche ich der Kirchengemeinde Golzow-Planebruch umso mehr eine gute Resonanz und damit eine baldige Nachfolge für Pfarrerin Ellen Radtke.
      Mit besten Grüßen
      Pfn. Dagmar Kelle

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