#FAQMonday Frage 3: Liebe ist nicht evangelisch. ❤️‍ Mindestens genauso wichtig wie die Frage, welchen Beruf du ergreifst, ist die Frage, mit wem du dein Leben verbringen wirst.

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Deine Frage: Welche Konsequenzen hat es, einen Partner oder eine Partnerin zu haben, welche*r nicht landeskirchlich-evangelisch ist?

Unsere Antwort: Hier geben § 39 des Pfarrdienstgesetzes der EKD sowie § 22 des Pfarrdienstausführungsgesetzes der EKBO Auskunft. Das Pfarrdienstgesetz der EKD ist in allen 20 Gliedkirchen bindend, also auch in der EKBO. Es ist in § 39 PfDG.EKD zunächst einmal sehr klar: „Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein. Sie müssen einer christlichen Kirche angehören.“ Doch: „Im Einzelfall kann eine Ausnahme zugelassen werden“.

Jedes sog. Pfarrdienstausführungsgesetz einer Gliedkirche stimmt dem Pfarrdienstgesetz der EKD im Grundsatz zu und legt die geltenden Bestimmungen für sich entsprechend aus. In der EKBO können Pfarrerinnen und Pfarrer unter drei Bedingungen von dem Erfordernis befreit werden, dass der Partner bzw. die Partnerin einer christlichen Kirche angehören muss, § 22 PfDAG.EKBO siehe unten.

Es gibt zum Beispiel mehrere christlich-muslimische Pfarrehen in der EKBO.

In der EKBO leben und arbeiten über 950 Pfarrerinnen und Pfarrer, allein, als Paar, in einer Ehe oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, mit einem evangelischen Partner oder einer evangelischen Partnerin oder eben auch nicht. Es gibt darunter auch christlich-muslimische Pfarrehen in der EKBO. Einen absolut hörenswerten Erfahrungsbericht von Pfarrerin Carmen Khan und Monir Khan und anderen Pfarrerinnen und Pfarrern der EKBO hört ihr hier: http://mediathek.rbb-online.de/radio/Gott-und-die-Welt/Kreuz-und-queer/kulturradio/Audio?bcastId=9839166&documentId=38200438.

 

§ 39 (2) PfDG.EKD: Ehe und Familie

(2) Pfarrerinnen und Pfarrer sollen sich bewusst sein, dass die Entscheidung für eine Ehepartnerin oder einen Ehepartner Auswirkungen auf ihren Dienst haben kann. Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein. Sie müssen einer christlichen Kirche angehören; im Einzelfall kann eine Ausnahme zugelassen werden, wenn zu erwarten ist, dass die Wahrnehmung des Dienstes nicht beeinträchtigt wird.

§ 22 (zu § 39 PfDG.EKD) PfDAG.EKBO

( 1 ) § 39 PfDG.EKD findet auf Pfarrerinnen und Pfarrer in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die wie die Ehe eine rechtlich geordnete Form des familiären Zusammenlebens ermöglicht, entsprechende Anwendung.

( 2 ) Von dem Erfordernis, dass die Ehepartnerin oder der Ehepartner oder die Partnerin oder der Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft einer christlichen Kirche angehören muss, kann das Konsistorium im Einzelfall befreien.

( 3 ) Die Befreiung setzt für den Fall, dass eine Ehe beabsichtigt ist, voraus, dass die nicht der evangelischen Kirche angehörende Ehepartnerin oder der nicht der evangelischen Kirche angehörende Ehepartner

  1. bereit ist, die Ehe mit einem Gottesdienst anlässlich der Eheschließung zu beginnen,
  2. zusagt, den Pfarrdienst angemessen zu unterstützen, und verspricht, alles zu unterlassen, was der glaubwürdigen Ausübung des Pfarrdienstes abträglich sein könnte und
  3. erklärt, Kinder, die aus der Ehe hervorgehen, taufen zu lassen und ihre evangelische Erziehung nicht zu behindern.

( 4 ) Die Befreiung setzt für den Fall, dass eine eingetragene Lebenspartnerschaft beabsichtigt ist, voraus, dass die nicht der evangelischen Kirche angehörende Lebenspartnerin oder der nicht der evangelischen Kirche angehörende Lebenspartner

  1. bereit ist, die eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer gottesdienstlichen Handlung zu beginnen,
  2. zusagt, den Pfarrdienst angemessen zu unterstützen, und verspricht, alles zu unterlassen, was der glaubwürdigen Ausübung des Pfarrdienstes abträglich sein könnte und
  3. erklärt, Kinder, die in der Lebenspartnerschaft aufwachsen, taufen zu lassen und ihre evangelische Erziehung nicht zu behindern.

( 5 ) Die beabsichtigte Eheschließung oder Eintragung einer Lebenspartnerschaft mit einer nicht einer christlichen Kirche angehörenden Person soll sechs Monate zuvor dem Konsistorium mitgeteilt werden.

( 6 ) Die zuständige Generalsuperintendentin oder der zuständige Generalsuperintendent oder die Pröpstin oder der Propst führen mit den zukünftigen Eheleuten oder den Partnerinnen oder Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ein Gespräch und geben dem Konsistorium nach Anhörung der Superintendentin oder des Superintendenten eine Empfehlung.

( 7 ) Stellt das Konsistorium fest, dass die Voraussetzungen des Absatz 2 oder des Absatz 3 erfüllt sind und keine anderen begründeten Zweifel daran bestehen, dass der Pfarrdienst durch die Partnerin oder den Partner nicht beeinträchtigt werden wird, so kann es die Ausnahme vom Erfordernis der Mitgliedschaft der Ehegattin oder des Ehegatten oder der Partnerin oder des Partners einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in einer christlichen Kirche zulassen.

( 8 ) Gegen die Entscheidung des Konsistoriums nach Absatz 7 ist innerhalb eines Monats nach Zugang Beschwerde bei der Kirchenleitung zulässig.

Wie stehst du zu Paragraf 39 (2) PfDG.EKD? Schreib uns im Kommentar, warum!

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  • Es ist richtig, dass die Partnerin bzw. der Partner einer Pfarrerin bzw. eines Pfarrers auch evangelisch sein soll. - 13
  • Es ist nicht richtig, dass die Partnerin bzw. der Partner einer Pfarrerin bzw. eines Pfarrers auch evangelisch sein soll. - 29
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Wir hoffen, wir konnten eure Frage beantworten. Für Rückfragen aller Art sind wir gerne da.

Dagmar Kelle

 

 

2 Antworten

  1. Christopher

    Ich würde mir wünschen, dass hier entsprechend dem Titel auch noch darauf eingegangen wird, wie es denn mit (Ehe-)PartnerInnen anderer christlicher Konfessionen aussieht. Zwar ist dies „nur“ eine Soll-Bestimmung im PfDG, aber was soll eine Soll-Bestimmung, die nicht wirklich überprüfbar oder einforderbar ist?

    „Könnte Ihr syrisch-orthodoxer Freund nicht eigentlich auch evangelisch werden?“, oder: „Müssen Sie wirklich die Katholikin heiraten? Vielleicht finden wir ja noch eine evangelische Frau für Sie!“, sind Sätze, die hoffentlich nie ein/e Konsistoriumsvertreter/in ernstgemeint aussprechen werden.

    Außerdem würde mich interessieren, wie oft in der EKBO schon BewerberInnen für den Pfarrdienst abgelehnt (oder bereits im Dienst Befindliche suspendiert/diszipliniert/abgemahnt?) wurden, weil ihre PartnerInnen nicht rechtskonform waren bzw. sich nicht rechtskonform verhielten. Ich vermute eine eher geringe Ziffer für die letzten Jahrzehnte. Die Absicht der Rechtsprechung leuchtet ja ein, aber es gibt Dinge, bei denen wirkt eine gesetzliche Regelung (zumindest auf mich) nicht ganz angemessen.

    Vielen Dank übrigens für diese tolle Idee mit dem FAQMonday!

    • Lieber Christopher,
      vielen Dank für Ihr positives Feedback zum #FAQMonday.
      Ich teile Ihre Hoffnung, dass solche Sätze in der Ausbildungs- und Personalabteilung weder gedacht noch gesprochen werden. Denn sie widersprächen § 39 (2) PfDG.EKD: Ehepartnerinnen und Ehepartner von Pfarrer*innen „müssen einer christlichen Kirche angehören“. Damit sind die Mitgliedskirchen in der sog. Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) gemeint. Sowohl die genannte Syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien in Deutschland als auch die Römisch-katholische Kirche ist (wie die EKD) sog. ACK-Mitglied.
      Teil 2 Ihrer Frage zu Ablehnung von Anwärter*innen oder Abmahnung von Ordinierten in der EKBO in der Vergangenheit muss ich recherchieren. Die Mühlen der kirchlichen Verwaltung mahlen bekanntlich langsam, und ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wie freigiebig die Personalabteilung hier mit Informationen sein darf. Darum bitte ich Sie hier um etwas Geduld.

      Herzliche Grüße
      Pfarrerin Dagmar Kelle

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