Es ist wichtig, dass man sich solche Unterbrechungen im Alltag schafft. Auch wenn es nicht immer einfach durchzuhalten ist. Aber der Hund muss ja schließlich raus. Das ist das Gute daran.

Carina schaut sich den Pfarrberuf im Gemeindepraktikum genauer an.
Seit zwei Wochen ist Carina jetzt im Gemeindepraktikum. Vier Wochen hat sie insgesamt zu absolvieren. 150 Stunden soll sie präsent sein. Sie hatte sich vorher nicht viel darunter vorstellen können. Als Erstes hatte sie ausgerechnet, was 150 Stunden pro Woche bedeuten: 37,5 Stunden. Da muss ich mir ja nicht mehr viel vornehmen, war ihr erster Gedanke. „Sehen wir uns trotzdem mal 😳?“, hatte ihr Freund ihr geschrieben.

Und in der Tat sind ihre Woche und auch das Wochenende gut gefüllt. Sie hatte sich einen Praktikumsplatz auf dem Land gewünscht und bekommen. Ihre Praktikumsmentorin hatte sie bereits vor dem Praktikum getroffen. Das war für beide gut, weil sie schon vor dem Praktikum gegenseitige Erwartungen klären konnten und sich ein wenig kennengelernt haben. Wenn es jetzt abends spät wird, kann sie im Pilgerzimmer der Gemeinde übernachten. Meistens aber nimmt sie die Regionalbahn nach Hause und schläft in ihrem eigenen Bett.

Carina kann ihre Mentorin fast überall hin begleiten. Diese ist Pfarrerin eines Pfarrsprengels mit insgesamt vier Predigtstätten.

Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Aber es ist sicher nicht jedermanns Sache.

„Ich selbst kann mir nichts Schöneres vorstellen. Aber …“, sagt sie in einem ihrer Gespräche, die sie auf ihren vielen Autofahrten miteinander führen. „… es ist sicher nicht jedermanns Sache.“ Carina schreibt Tagebuch über alle ihre Erlebnisse und Gedanken im Praktikum.

Im letzten Semester hatte sie ein Seminar zu Friedrich Schleiermacher besucht. Sie hatten viel gestritten: „Die theologischen Wissenschaften sind nur solche in Beziehung auf Kirche und können nur aus dieser verstanden werden.“, hatte Schleiermacher geschrieben. Besonders Carinas Freundin Isabell wollte das nicht so stehen lassen: Man müsse doch unterscheiden zwischen den Ausbildungs- und den Reflexionsaufgaben von Theologie.

Es muss doch nicht alles, was wir hier lernen, auf eine Tätigkeit in der Kirche vorbereiten.

„Es muss doch nicht alles, was wir hier lernen, auf eine Tätigkeit in der Kirche vorbereiten.“ Das sei ihr zu wenig. Im Gemeindepraktikum ist Carina froh, dass sie besonders in der vorbereitenden Lehrveranstaltung eine Ahnung bekommen hat, was sie im Gemeindepfarramt erwartet: Gottesdienste und Kasualien, Unterricht, Seelsorge, Diakonie und immer wieder Leitung gehöre zu den Aufgaben einer Pfarrerin und eines Pfarrers. Darüber hatten sie im Seminar ganz abstrakt gesprochen. Jetzt wird das Ganze konkret. Wie sehen die konkreten kirchlichen und gesellschaftlichen Bedingungen aus?

In den ersten vierzehn Tagen konnte sie bei einem Tauf- und einem Trauergespräch dabei sein. Sie hat verschiedene Sitzungen miterlebt von der Gemeindeleitung über die Planung der Konfirmandenfreizeit bis hin zur Beratung der neuen Friedhofssatzung. Sie hat in der Konfirmandenarbeit und im Religionsunterricht hospitiert. Regelmäßig besucht sie die Flüchtlingsfamilie in der ehemaligen Zivi-Wohnung.

Sie bewundert ihre Mentorin, wie sie scheinbar unermüdlich in ihrem Pfarrsprengel unterwegs ist. „Das schaffe ich nur, wenn ich zweimal am Tag mit meinem Hund eine Stunde im Wald verbringen kann.“ Es ist wichtig, dass man sich solche Unterbrechungen im Alltag schaffe, sagt sie im Gespräch mit Carina. Auch wenn es nicht immer einfach durchzuhalten sei. Aber der Hund müsse ja schließlich raus. Das sei das Gute daran.

Wenn ihre Mentorin am Schreibtisch sitzt, schreibt Carina an ihrer ersten Predigt. Im Gottesdienst am Ostermontag wird sie zum ersten Mal auf der Kanzel stehen. Sie freut sich darauf und ist froh, dass sie den ganzen Gottesdienst in der kommenden Woche noch ausführlich miteinander besprechen werden, auch ihre Predigt.

Was denkst du darüber?

Welche Funktion hat das Gemeindepraktikum im Rahmen des Theologiestudiums? (Mehrfachnennungen möglich)

New Option

Confirm Add


  • Ein Gemeindepraktikum gibt einen ersten Einblick in die Tätigkeiten einer Gemeindepfarrerin bzw. eines Gemeindepfarrers. - 1
  • Ein Gemeindepraktikum hilft bei der Entscheidung für oder wider den Pfarrberuf. - 1
  • Ein Gemeindepraktikum hat eine ganz andere Funktion. Wenn ja, welche? Add New Option! - 0
Submit
Results

 

Unsere Homestory „Carina und ihr Weg ins Pfarramt“ – Was bisher geschah:

Carina und ihr Weg ins Pfarramt

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 1: Pfarrer sein ist doch irgendwie cool

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 2: Ascher? Wer denkt nach sechs Wochen Hebräisch-Intensivkurs noch an Zigaretten?

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 3: Die vier Reiter der Nicht-Apokalypse oder: Eine Fussballmannschaft ist wie eine Tischgemeinschaft

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 4: Auftauchen oder abtauchen? Wie viel „Landeskirche“ braucht man im Studium?

/dk

Hinterlasse einen Kommentar