„Es geht ja nicht darum, jede Kinderfrage beantworten zu können. Wir können aber sagen, was wir hoffen und glauben. Oder vielleicht auch, dass wir es selbst nicht wissen, und Greta fragen, was sie sich vorstellt.“

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Carina entscheidet sich trotz ihrer Schwangerschaft dafür, das Vikariat gemeinsam mit Isabell und Joris zum nächstmöglichen Termin zu beginnen. Zunächst wartet das Religionspädagogische Vikariat auf sie. Für sechs Monate ist ihr Ausbildungsort eine Grundschule und ihre Mentorin Klassenlehrerin einer 3. Klasse. Carina fühlt sich gut. Auch ihr Arzt sieht die Gesundheit von Mutter und Kind nicht gefährdet. Darum erteilt er ihr auch vorerst kein Beschäftigungsverbot, um sie und ihr Baby zu schützen. Carinas Mentorin ist selbst gerade aus der Elternzeit zurück als Mutter von jetzt einjährigen Zwillingen.

Carina übernimmt schon nach vierzehn Tagen den Religionsunterricht der Klasse. In einer Woche kommt noch der Unterricht der Klasse 2a dazu. Anfangs fühlen sich Carina, aber auch Isabell und Joris überrumpelt, dass sie gleich unterrichten sollen. „Wie soll das bitte gehen? Wir haben das doch noch nie gemacht? 😓“, so oder ähnlich der Wortlaut von zahlreichen SMS, die sie sich am Anfang gegenseitig schreiben. Ihre Mentorin versorgt Carina mit allem möglichen Unterrichtsmaterial. Das beruhigt Carina nicht nur, sondern hilft ihr ungemein, um die bevorstehenden Unterrichtsstunden vorbereiten zu können. Wenn sie sich treffen oder telefonieren, reden Joris und Isabell unentwegt von ihrer Religionspädagogischen Prüfung. Carina wird diese Prüfung erst nach der Geburt ihres Kindes ablegen und ist darum etwas gelassener. So ist es mit ihrem Landeskirchenamt verabredet.

Das Gemeindevikariat wird sie nach dem ersten halben Jahr gemeinsam mit ihrem Kurs beginnen. Nur wird sie auch dann weiterhin an zwei Vormittagen in der Schule sein, um auch noch ihre Religionspädagogische Prüfung abzulegen. Sie freut sich darüber, dass ihr das Ausbildungsdezernat entsprechend entgegen kommt und auf ihre besondere Situation Rücksicht nimmt.

Näheres zum Religionspädagogischen Vikariat in der EKBO findest du hier: https://akd-ekbo.de/religionspaedagogik/religionspaedagogisches-vikariat/

Für die Zeit des Mutterschutzes, sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt, hat Carina schon Literatur und Material zum Thema „Tod und Abschied“ gesammelt. Wenn sie zurückkommt, möchte Carina mit den Kindern der Klasse 3b eine Unterrichtsreihe zum Umgang mit Tod, Sterben und Trauer machen. Eine Unterrichtsstunde davon will sie als Prüfungsstunde anmelden und die schriftliche Ausarbeitung über die Einheit verfassen. Sie weiß von einzelnen Schülerinnen und Schülern aus der Klasse, dass sie schon Erfahrungen mit dem Abschiednehmen und auch mit dem Tod gemacht haben. Gretas Eltern zum Beispiel hatten die Klassenlehrerin, Carinas Mentorin, neulich um Rat gefragt, ob sie ihre Tochter mit zur Beerdigung der Uroma nehmen sollten oder lieber nicht. Die Lehrerin hatte den Eltern Mut gemacht. Es spräche nichts dagegen, Greta mitzunehmen, wenn sie genügend Zeit hätten, um vor und nach der Beerdigung miteinander über den Abschied und ihre Trauer zu sprechen. „Greta muss alles fragen können, was ihr durch den Kopf geht. Es geht ja nicht darum, jede Kinderfrage auch beantworten zu können. Auch wir wissen nicht, wo Uroma Baum jetzt ist. Wir können Greta aber sagen, was wir hoffen und glauben. Oder vielleicht auch, dass wir es selbst nicht wissen, und Greta fragen, was sie sich vorstellt.“ Carina hätte nicht gedacht, dass sie in der Schule für die Kinder nicht nur „die Lehrerin“ ist. Sie ist auch Vertrauensperson, Trösterin, Seelsorgerin und überhaupt Wegbegleiterin. Das hätte sie vorher nicht für möglich gehalten. Ehrlich gesagt, hatte sie sich anfangs sogar etwas vor dem ganzen Schultrubel gefürchtet. Jetzt gefällt es ihr immer besser.

Sie hat sich für die Zeit des Gemeindevikariats vorgenommen, dass sie gleich zu Beginn den Kontakt zum örtlichen Bestattungsunternehmen aufnimmt. Sie will mit den Kindern am Anfang ihrer geplanten Unterrichtseinheit den städtischen Friedhof besuchen. Der Friedhofsverwalter, selbst im Gemeindekirchenrat, wird der Klasse die Geschichte des Friedhofs erzählen und sie herumführen. Mit zwei Friedhofsgärtnern ist sie schon jetzt lose zum gemeinsamen Blumenpflanzen verabredet. Zum Glück wird es Ende März oder Anfang April sein, wenn die Unterrichtseinheit stattfindet. Für das Winterhalbjahr wäre das nichts gewesen. „Ob du das alles in einer Unterrichtseinheit unterbringst, müssen wir dann einfach schauen.“ Carinas Ideen findet Ihre Mentorin aber erst einmal klasse.

Jetzt freut sich Carina auf ihr Kind und auch schon darauf, nach der Geburt in „ihre“ Schule zurückzukommen. „Wer hätte das gedacht?“, schreibt sie ihrem Freund Micha. Micha hat sich für eine Stelle an einem Berliner Flughafen beworben. Wenn er genommen wird, wäre das die ideale Lösung für die kleine Familie.

/dk

 

 

 

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