Die vier Reiter der Nicht-Apokalypse oder: Eine Fussballmannschaft ist wie eine Tischgemeinschaft

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Carina hat noch eine Prüfung vor sich. Dann hat sie das Grundstudium erfolgreich abgeschlossen.

Carina lernt und lernt. Manchmal wird es ihr zu viel. Dann macht sie alle Bücher zu und packt ihre Karteikarten an die Seite. Sie trifft sich mit ihren besten Freundinnen Isabell und Leo. Sie ist am Ende des sechsten Semesters, ihr fehlt noch eine Prüfung. Dann hat sie ihr Grundstudium abgeschlossen.

Der Kirchengeschichte ist sie treu geblieben. Die mündliche Prüfung hat sie ziemlich gut hingekriegt und sich für die Zwischenprüfung anrechnen lassen. Die beste Proseminararbeit hat sie dagegen in Systematischer Theologie geschrieben. „Welchen Sinn hat es, von Gott zu reden?“ war das Thema ihrer Arbeit und auch des Seminars. Oft hat sie sich an ihren Religionsunterricht erinnert. Auch hier hatten sie Gottesbilder und Gottesvorstellungen diskutiert. Im Proseminar ging es um die Bibel und deren Rede von Gott. Vor allem haben sie sich Beispiele aus der Kirchen- und Dogmengeschichte ausgesucht. Mit deren Hilfe sollten sie ihre eigenen Antworten formulieren und diskutieren. Sie waren eine ziemlich bunte Gruppe: Vier Kommilitonen, erinnert sich Carina, hatten eigentlich in jeder Sitzung alles in Frage gestellt.

Im Studium könnt ihr alles denken und probieren. So werdet ihr gute Kirchenleute.

Irgendwann hatten sie ihren Spitznamen weg: die vier Reiter der Nicht-Apokalypse. Ihr Dozent, selbst ordinierter Pfarrer, blieb gelassen: „Im Studium könnt ihr alles denken und probieren. So werdet ihr gute Kirchenleute.“ Eine Exkursion machten sie mit dem Kurs zu einem philosophischen Vortrag von Peter Sloterdijk, über Fussball. Eine Fussballmannschaft biete das überschaubare Format einer Tischgemeinschaft. „Sie müssen die zwei Sonderschicksale, die von Jesus und Judas, abziehen, und Sie behalten elf übrig.“, hatte Sloterdijk ausgeführt. Das schreibt sie direkt ihrem Freund über WhatsApp. Zwar ist er gerade auf dem Weg zum Fussballtraining, antwortet aber trotzdem mit drei großen Fragezeichen: „??? 👀“ Carina dagegen ist begeistert, wo im Alltag überall christliche Motive stecken. An der Fakultät gab es dieses Semester eine Filmreihe dazu.

Vor ein paar Wochen hat Carina angefangen, gelegentlich in einer Kirchengemeinde bei der Konfirmandenarbeit auszuhelfen. Eine für sie völlig neue Welt. Am Anfang hatte sie Bedenken, ob die 13- bis 15-Jährigen sie überhaupt akzeptieren.

Aber das erste Eis ist gebrochen. Am Ende eines Konfinachmittags sprechen alle das Vaterunser. Bislang hat Carina selbst nie regelmäßig gebetet. „Stell dir vor“, sagt sie abends zu ihrem Freund, „selbst die größten Störer sind dann einen Moment lang leise oder sprechen sogar mit.“ Überhaupt merkt Carina in solchen Momenten, dass sie „irgendwie mehr“ möchte. Doch wenn sie ehrlich ist, kann sie mit vielem in der Kirche nicht viel anfangen. Vielleicht noch nicht, baut sie sich selbst manchmal eine Brücke. „Ich vergesse die Tageslosung, noch bevor ich sie zuende gelesen habe. Ich schlafe lieber aus, als zum Gottesdienst zu gehen. Und ich fange erst im sechsten Semester mit dem Beten an.“

In der Studienberatung war es auch um das Praktikumsmodul gegangen. Sie könne es vor oder nach der Zwischenprüfung machen. Und die Landeskirchen seien bei der Vermittlung von geeigeneten Praktikumsplätzen behilflich. Vielleicht hilft Carina das Praktikum, mit Kirche und Gemeinde vertrauter zu werden. Sie will mehr. Und doch hat sie das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. „Ich passe da nicht rein. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.“, tröstet sie sich. Sie setzt sich wieder an ihren Schreibtisch, damit auch die letzte Prüfung gelingt und sie ihr Grundstudium abschließen kann.

Was glaubst du?

  • Wer Pfarrerin bzw. Pfarrer werden möchte, sollte schon im Studium mit den kirchlichen Traditionen vertraut sein und ein aktives Glaubensleben haben. - 2
  • Wer Pfarrerin bzw. Pfarrer werden möchte, kann im Laufe der Ausbildung die kirchlichen Traditionen kennenlernen und ein aktives Glaubensleben entwickeln. - 3
  • Jeder Christ und jede Christin geht anders mit den kirchlichen Traditionen um und pflegt den christlichen Glauben. Das ist bei (angehenden) Pfarrer*innen genauso. - 6
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Results

 

Unsere Homestory „Carina und ihr Weg ins Pfarramt“ – Was bisher geschah:

Carina und ihr Weg ins Pfarramt

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 1: Pfarrer sein ist doch irgendwie cool

Carina und ihr Weg ins Pfarramt Teil 2: Ascher? Wer denkt nach sechs Wochen Hebräisch-Intensivkurs noch an Zigaretten?

 

 

 

/dk

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