Die Schwere des Amtes hat eine Leichtigkeit bekommen und ich eine erste Idee davon, wie dieses Amt für mich aussehen könnte.

Eingetragen bei: Interview, Praktikum | 0
Jasmin El-Manhy ist seit dem 1. Januar 2017 Pfarrerin der Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord, Foto: privat

Heute am Valentinstag sprechen wir mit Pfarrerin Jasmin El-Manhy. Am Anfang ihres Studiums stand ihr Interesse an Religion, den alten Sprachen und dem interreligiösen Dialog. Seit dem 1. Januar 2017 ist Jasmin El-Manhy Pfarrerin der Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord. Ihre Liebe zum Pfarrberuf hat Jasmin im Gemeindepraktikum entdeckt.

Liebe Jasmin El-Manhy, Ihr Theologiestudium an der Berliner Theologischen Fakultät haben Sie mit dem Diplom abgeschlossen. Erst danach haben Sie sich für ein Vikariat in der EKBO entschieden. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Als ich anfing zu studieren, hatte ich ein anderes Ziel als das Pfarramt. Eigentlich kein sehr konkretes, ich habe mich für Religion interessiert, für die alten Sprachen und den interreligiösen Dialog. Aber da ich nicht mit Kirche aufgewachsen bin, vieles an der kirchlichen Tradition mir fremd war, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, mich für das Pfarramt zu bewerben oder mich auf die Liste der Studierenden der Landeskirche setzen zu lassen.

Gegen Ende des Studiums habe ich mitbekommen, wie meine Kommilitoninnen sich für das Vikariat anmeldeten. Mit einigen habe ich dann viel darüber gesprochen, ob das nicht auch was für mich sein könnte. Ich habe dann das Gespräch mit OKR Dr. Christoph Vogel gesucht und offen erzählt, dass ich darüber nachdenke ins Vikariat zu gehen, aber noch unsicher bin. Daraufhin schlug er vor, dass ich ein sechswöchiges Gemeindepraktikum machen könnte, um herauszufinden, ob der Beruf Pfarrerin für mich in Frage kommt oder nicht. Das war ein gutes Gespräch, ich habe das als Chance gesehen für beide Seiten.

Welche Rolle spielte bei diesem Entschluss das Gemeindepraktikum in der Kirchengemeinde Wannsee bei Pfarrer Michael Raddatz?

Das Gemeindepraktikum bei Pfarrer Michael Raddatz war ganz entscheidend für meinen weiteren Weg. Ich hatte in ihm einen sehr offenen Mentor, der alle meine Fragen zugelassen und sie auch mit mir bedacht hat. Und er hatte auch Antworten, an denen ich mich abarbeiten konnte. Sehr wichtig war für mich auch, dass da eine Stimmigkeit zwischen Person und Amt in ihm war, die mir diesen Beruf hat sympathisch werden lassen. Dadurch hat die Schwere des Amtes eine Leichtigkeit bekommen und ich eine erste Idee davon, wie dieses Amt für mich aussehen könnte.

Pfarrer Raddatz hat mich überall hin mitgenommen und sich Zeit für Reflektionsgespräche genommen. Es war einfach extrem spannend seine Theologie, um die man ja so lange ringt im Studium und die dann mit dem Examen/Diplom erstmal „fertig“ ist, anzuwenden und dafür eine Sprache zu finden, die nicht ab- sondern aufschließt. Das lernt man nicht im Studium.

Und die Gemeinde hat das Praktikum mitgemacht, mich willkommen geheißen und Interesse gezeigt. Ich hatte eine wirklich gute Zeit, in der ich sehr ermutigt wurde, das Vikariat anzugehen. Das habe ich dann auch gemacht.

Seit Januar 2017 sind Sie frischgebackene Pfarrerin in der Berliner Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord. Was ist Ihr Nr. 1 Tipp für Studierende, wenn es darum geht zu prüfen, ob der Beruf des Pfarrers bzw. der Pfarrerin für mich der richtige ist?

Ich denke, ein Praktikum ist eine sehr gute Möglichkeit, um das zu prüfen. Wenn man, wie ich damals, Kirche noch nicht gut kennt, ist vielleicht eine Gemeinde gut, die möglichst viel von dem abbildet, was zu den pfarramtlichen Tätigkeiten gehört. Und alle, die ganz sicher wissen, dass sie in diesen Beruf gehen wollen und schon eine Pfarrerin/einen Pfarrer als Vorbild haben, sollten auch unbedingt ein Praktikum machen! Damit sie ein eigenes Pfarrbild entwickeln können. Ich denke einfach es ist gut, möglichst viele Erfahrungen sammeln zu können, die nicht in Bewertungszusammenhängen stattfinden. Dann ist man frei seine Fragen zu stellen, auszuprobieren, etwas zu riskieren, Fehler zu machen, über sich zu lachen und erste Schritte auf dieses Amt zu zugehen. „Richtig machen“ kann man es ja dann sein ganzes Leben.

Vielen Dank für das Gespräch! Ihre Geschichte macht Mut, die eigenen Talente und Vorstellungen vom Pfarrberuf im Praktikum unter die Lupe zu nehmen.

/dk

Hinterlasse einen Kommentar