Deine EKBO proudly presents: Eckhard Zemmrich hat schon über so manchen #Tellerrand geblickt. Welche Tipps gibt er Studierenden? Wie erlebt er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Pfarramt? Und ist der Pfarrberuf sein Traumberuf geblieben?

Eingetragen bei: Allgemein, Interview | 0
Eckhard Zemmrich ist in Europa und Asien zuhause und hat schon über so manchen Tellerrand geblickt. Foto: Annette Kaiser
Dr. Eckhard Zemmrich gehört zu den zahlreichen Pfarrerinnen und Pfarrern, die neben Theologiestudium und Vikariat im In- und Ausland Berufs-, Lebens- und Glaubenserfahrung gesammelt haben. Er hat in Systematischer Theologie promoviert und mehrere Jahre in Indonesien gelebt. Wow! Passend zu unserem Monatsthema „Über den Tellerrand“ haben wir ihm ein paar Fragen gestellt:
Lieber Eckhard, du bist Pfarrer und Doktor der Theologie und hast schon an den verschiedensten Orten in der Welt gearbeitet und geforscht. Ist Pfarrer sein immer noch dein Traumberuf? Und wenn ja, warum?

Traumberuf ist der Pfarrberuf für mich immer dann, wenn ich das tun kann, worauf ich ordiniert bin: Predigt und Sakramentsverwaltung, Lehre und Seelsorge. Dazu ist auch immer neu theologische Beschäftigung nötig. Wie sollte es auch anders gehen: Die Welt bleibt nicht stehen, dann sollte die eigene Theologie auch nicht stehenbleiben. Menschen, die eine Predigt hören, erwarten auch nicht nur aktuelle Illustrationen des Predigttextes, sondern eine aktuelle und authentische theologische Verarbeitung des Textes. Ich zumindest brauche dafür immer wieder Zeiten der spirituellen und gedanklichen Klärung.

Die Welt bleibt nicht stehen, dann sollte die eigene Theologie auch nicht stehenbleiben.

Darauf scheint mir aber das Gemeindepfarramt derzeit viel zu wenig ausgelegt. Ich war mehrere Jahre geschäftsführender Pfarrer einer großen Kirchengemeinde mit vielen Mitarbeitenden, Einrichtungen und Gebäuden. Administrative Aufgaben und Personalverantwortung nahmen deshalb in meiner pfarramtlichen Praxis einen relativ großen Teil der Arbeitszeit in Anspruch. Deshalb bin ich froh, dass bei mir immer wieder Zeiten mit dem Fokus der kirchlichen Praxis mit Zeiten abgewechselt haben, in denen meine Hauptaufgabe religionswissenschaftliche und theologische Arbeit war.

Seit dem 01. Januar 2017 arbeitest du an der Berliner Theologischen Fakultät als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Seminar Religions- und Missionswissenschaft. Was genau sind deine Aufgaben?

Ich habe dort eine sogenannte „Eigene Stelle“. Das heißt, ich bin freigestellt für ein eigenes Forschungsprojekt im Bereich interkultureller Theologie und Religionswissenschaft, das meine gesamte Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Darüber hinaus kann ich Lehrveranstaltungen anbieten, und in meiner Freizeit entwickle ich auch mit einem englischen Kollegen und einem indonesischen Forschungsteam ein interreligiöses Forschungsprojekt in Indonesien.

Du hast Theologie in Berlin und Cambridge studiert und in Systematischer Theologie promoviert. Viele Studierende überlegen, sich vor oder nach dem Vikariat mit einer Promotion wissenschaftlich weiter zu qualifizieren. Was rätst du ihnen?

Wie gesagt, ich halte die theologische Weiterbildung für eine pfarramtliche Grundaufgabe. Solange das Pfarramt nicht konsequent von Verwaltungsaufgaben entlastet wird, sind „Schübe“ theologischer Qualifizierung eine gute Möglichkeit, um das auszugleichen. Ob man eine Promotion anfängt, sollte man sich aber trotzdem gut überlegen. Nur Zwei von Dreien, die daran versuchen, schaffen den Abschluss dann auch wirklich. Ich kenne Pfarrer und Pfarrerinen, die ihr halbes Dienstleben lang vom Abschluss ihrer Promotion geträumt und sich um sie bemüht haben. Dass das Manuskript dann doch halbfertig in der Schreibtischschublade liegenbleibt, kann entmutigend wirken.

Ich halte die theologische Weiterbildung für eine pfarramtliche Grundaufgabe.
Du bist nicht nur Pfarrer und Wissenschaftler, sondern auch Familienvater mit drei Kindern. Wie bekommst du Familie und Beruf unter einen Hut?

Ehrlich gesagt, nicht sehr leicht. Besonders im Gemeindepfarramt habe ich mir nicht genügend Zeit für unsere Kinder nehmen können. Meine Frau hat hier neben ihrer eigenen Berufstätigkeit für einen Ausgleich gesorgt, den ich bis heute bewundere. Aber ich glaube, ich selbst habe da etwas versäumt, unter dem permanenten Druck einer Sechs- bis Sieben-Tage-Arbeitswoche und der Verantwortung als geschäftsführender Pfarrer.

Welches ist dein aktueller Nr. 1 Studientipp für alle, die wie du die Theologie zum Beruf machen wollen?

Sammelt nicht nur die nötigen Punkte, sondern sucht Euch ein Gebiet, auf dem Ihr mehr wisst als nötig, und baut dieses Wissen immer weiter aus. Damit vertieft man exemplarisch seine theologische Kompetenz und kommt wie von selbst vom Lernen ins Lehren. Und bei einem Thema fit zu bleiben oder gar eigene Ideen zu verfolgen, das lässt sich auch im Pfarramt durchhalten – oder dann sogar in einer weiterführenden Qualifikation verarbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch mit Eckhard Zemmrich führte Dagmar Kelle.
Pfarrer Dr. Eckhard Zemmrich trefft ihr seit dem Wintersemester 2016/2017 an der Berliner Theologischen Fakultät im Seminar für Religions- und Missionswissenschaft sowie Ökumenik (RMÖ). In seinem Forschungsprojekt widmet er sich Grundsatzfragen interkultureller Theologie. InKooperation mit mehreren internationalen Partnern arbeitet er außerdem an Fragen interreligiöser Bildung unter jungen Menschen.

Hinterlasse einen Kommentar