Carina und ihre Freunde helfen sich gegenseitig, ihre Gottesdienstprüfungen vorzubereiten, sitzen zusammen in der achtstündigen Klausur und coachen sich bei ihren Praxisprojekten. Nach den mündlichen Prüfungen am Ende des Vikariats stoßen sie auf „die intensivsten, verrücktesten und besten 28 Monate ihres Lebens“ an.

Eingetragen bei: Allgemein, Homestory, Prüfung, Vikariat | 0

Carina weiß meistens nicht, wo ihr der Kopf steht. Vikariat, Baby, Prüfungen, Gottesdienstvorbereitungen, die Suche nach einer Tagesmutter, Bestattungen, Kinderkirche, Kinderkrankheiten, Predigerseminar, Gruppensupervision, Regionalgruppen, nicht zuletzt ihre Partnerschaft mit Micha. Sie wollten nicht nur Eltern sein, hatten sie sich geschworen. Doch sie liebt alles genau so, wie es ist. „@isi_theo @jorissimo @simoni Ich bin nicht ich, wenn ich nicht müde bin. 👻“

Sie würde es wieder so machen, sagt sie regelmäßig zu ihren Freunden Isabell und Joris, und auch bestätigend zu sich selbst. Beide Freunde wünschen sich Familie und Kinder, wissen aber nicht so recht, wann dafür der richtige Zeitpunkt sein sollte. „Wenn wir mit dem Vikariat fertig sind, kommen 24 Monate Entsendungsdienst und danach höchstwahrscheinlich schon wieder der nächste Ortswechsel.“ Isabell und Joris bewundern Carina und Micha. Mit ihnen tauschen würden sie aber auch nicht. „Gibt es überhaupt den richtigen Zeitpunkt, eine Familie zu gründen?“, fragen sich alle.

Die Freunde bleiben das ganze Vikariat lang eng in Verbindung. Sie helfen sich gegenseitig bei der Vorbereitung ihrer Gottesdienstprüfungen, sitzen zusammen in der achtstündigen Klausur und coachen sich bei ihren Praxisprojekten. Nach den mündlichen Prüfungen am Ende des Vikariats stoßen sie auf „die intensivsten, verrücktesten und besten 28 Monate ihres Lebens“ an. Gleich darauf müssen sie sich auch schon Gedanken machen, wie es nach dem Vikariat weiter geht. Sie schicken ihre Bewerbungen für den Entsendungsdienst an das Personaldezernat ihrer Landeskirche und werden zum Gespräch ins Landeskirchenamt eingeladen. Carina hofft darauf, dass ihre zukünftige Gemeinde in der Nähe von Michas neuem Arbeitsplatz ist, und möchte dafür kämpfen. Micha war nach der Rückkehr aus seiner Elternzeit in Frankfurt gekündigt worden. Er war zunächst arbeitslos, hatte aber dann einen neuen Job in einem großen Raumplanungsbüro gefunden und war sehr glücklich damit. „Von irgendetwas müssen wir ja leben. Von den 1.500 EUR Ausbildungsgehalt einer Vikarin können wir Wohnung, Auto, Krankenversicherung und Windeln auf die Dauer nicht bezahlen.“

Das Gespräch im Landeskirchenamt verläuft gut. Das „Aufnahmeverfahren“, das ihr gemeinsamer Freund Simon noch durchlaufen musste mit Gruppendiskussion, Einzelgespräch und Seelsorgefall war abgeschafft worden. Ein gutes Signal der Landeskirche, findet Carina. Irgendwie bewerben sich ja beide Seiten beiander, die Kirche als Arbeitgeber bei uns und wir als angehende Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Landeskirche. Oder seht ihr das anders?, hatte sie ihre Freunde und Kolleg*innen gefragt. Sie redeten viel über ihre jeweiligen Bewerbungsgespräche. Sie freuten sich über den Verlauf, ärgerten sich aber auch über so manches. „Wie wird das mit dem Entsendungsdienst eigentlich in anderen Landeskirchen gehandhabt?“, fragten sie sich. „Und wie werden wir dann in unserer ersten Stelle eigentlich zurecht kommen?“

/dk

 

Hinterlasse einen Kommentar